Kirche will "Corona-Distanz" überwinden

INTERVIEW MIT UDO EILTS am 31. März 2020

Das Coronavirus trifft auch die Gläubigen: keine Gottesdienste, keine Hochzeiten, keine Taufen, keine Konfirmationen, Beerdigungen lediglich unter Auflagen. Wie geht ein Amtsträger der Neuapostolischen Kirche mit den Einschränkungen für das kirchliche Leben um? Ein Gespräch mit dem Bezirksvorsteher Udo Eilts.

Udo Eilts, geboren 1969, ist Bezirksvorsteher des Kirchenbezirkes Emden. In dieser Aufgabe obliegt ihm die Versorgung von 12 Gemeinden mit rund 2.100 Mitgliedern in der Region Ostfriesland.

 

Hallo Bezirksältester, wie ergeht es Dir in diesen Tagen?

Ich fühle mich gut und meinen Lieben geht es auch gut.

 

Die Corona-Pandemie zwingt auch die christlichen Kirchen zu neuen Wegen. Seelsorger suchen nach Alternativen. So bietet die Neuapostolische Kirche den Gläubigen Videogottesdienste an. Wie hältst Du in Corona-Zeiten den Kontakt zu den Gemeinden aufrecht?

Zunächst kann ich sagen, dass ich von allen Gemeindeleitern und Amtsträgern unseres Bezirkes weiß, dass sie eine tolle Leistung auch in diesen anspruchsvolleren Zeiten leisten. Erst gestern durfte ich mit fast allen aus diesem Kreis eine Videokonferenz erleben. Es hat mir gut getan, ihnen über dieses Medium zu begegnen, sich sehen zu können. Gleichwohl wird hier deutlich, dass es kein Ersatz für den persönlichen Kontakt ist. Aber so halte ich Verbindung zu ihnen und nutze auch andere Medien wie: E-Mail, WhatsApp, Telefon.

Wir prüfen und proben gerade, ob es möglich werden kann, eine Telefonkonferenz für bis zu 100 Telefonteilnehmer auf die Beine zu stellen, um so 1 – 2-mal die Woche Kontakt anzubieten. Wir könnten dann einige Gedanken an die Geschwister richten und ein Gebet mit ihnen sprechen. Wir wählen diese Form, weil sie für quasi alle nutzbar sein wird. Ich freue mich schon darauf, wenn es anläuft!

 

Für Seelsorger bleibt die Distanz eine Herausforderung. Glauben kreativ vermitteln - mit medialer Hilfe, geht das?

Sicher, für eine gewisse Zeit wird das gehen. Das Volk Gottes hat sich immer schon einer Situation, die sich ihm geboten hat, angepasst. Das Schöne daran, es hat sich den Glauben und die Liebe zu Gott nicht nehmen lassen!

Wie unser Stammapostel im Interview sagte: Lasst uns fest in der Liebe zu Gott bleiben. Denen, die ihn lieben, wird der Herr immer in besonderer Weise beistehen. Die Verheißung Gottes bleibt: denen die Gott lieben, dienen alle Dinge – sogar die Corona-Krise – zum Heil. (Anmerkung: vgl. Römer 8,28)

Ich kann ganz fest glauben, dass unser himmlischer Vater uns auch in dieser und jeder anderen Krisensituation versorgen wird. Er ist allmächtig.

 

Oberstes Ziel der Kirche ist das Heil der Seelen. Kannst Du derzeit noch seelsorgerisch tätig sein?

Ja, ich nutze dafür die schon vorhin aufgeführten Medien. In einem Ausnahmefall sogar durfte ich - natürlich mit dem notwendigen Abstand- einen Besuch durchführen, der aus heutiger Sicht nicht aufschiebbar war..

 

Das Coronavirus hält derzeit die Welt in Atem. Ist dies eine existenzielle Krise?

Natürlich, wenn wir die Medien verfolgen und auch aus Gesprächen wird eine große Sorge erkennbar. Dies betrifft Arbeitnehmer, die jetzt im günstigsten Fall Kurzarbeit leisten, andere wissen gar nicht, wie es weitergehen soll, weil sie entlassen wurden. Alle Selbstständigen, denen sich die laufenden Kosten bedrohlich auf ihre Existenz und den mit viel Fleiß erarbeiteten Zustand auswirken. Trotz der vom Staat angebotenen Hilfen haben sie nachvollziehbare, große Sorgen.

Für andere, die eh schon mit psychischen Problemen in unserer Gesellschaft zu kämpfen haben, wirken die jetzigen Zustände geradezu erdrückend. Für sie ist es am wichtigsten, dass wir uns um sie mit lieben Worten und Gebeten kümmern. Sie sind, wie wir alle, nicht allein. Eine Aufgabe, die wir alle erfüllen und leisten können:  Nähe zeigen.

 

Suchen die Menschen in einer solchen Zeit verstärkt Halt bei Gott?

Ich hoffe sehr, dass wir alle immer verstärkt Halt in Gott, seinem Sohn und dem Heiligen Geist suchen. Das kommt uns jetzt zur Hilfe, da wir die Erkenntnis aus unserem aktiven Glaubensleben einsetzen können. Es ist die Zuversicht in unseren Herrn, die jetzt als Stärke erlebt werden kann.

Unser Apostel schrieb den Amtsträgern vor ca. 10 Tagen: „Wir werden diese Situation mit der Hilfe Gottes gemeinsam bewältigen. Ich möchte euch noch ein Wort mitgeben, welches wir in 2. Thessalonicher 3,3 finden: Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.“

 

Wie war denn die Resonanz auf die Online-Gottesdienste, die die Gebietskirche derzeit sonntags per IP-TV, YouTube oder auch per Telefonübertragung anbietet?

Überall ist zu hören, dass die Freude darüber, mit Gottesdiensten versorgt zu werden, wirklich groß ist.

Ich höre aber auch, und das freut mich sehr, dass man sich nach Gemeindeleben sehnt, Gottesdienste in Gotteshäusern zu erleben vermisst. Auch der fehlende persönliche Kontakt und das einmal in den Arm nehmen und dass in den Arm genommen werden unter Geschwistern, wird als großer Mangel wahrgenommen.

Ich bin sicher, dass in dieser Zeit das „einander haben“ noch größer für uns werden wird. Auch werden wir erleben, dass die Dinge, die man sonst gerne bemängelt hat, jetzt nicht mehr wichtig sind und der Gedanke entstehen könnte, was war eigentlich mit mir los? – uns ging es doch so gut.

 

Für viele Gläubige ist die Feier des Heiligen Abendmahls so, als ob Jesus Christus sie umarmt. Diese findet online nicht statt. Kann man das irgendwie kompensieren?

Ich möchte auch hier unseren Apostel zitieren, der sagte: „Ich kann ganz fest glauben, dass unser himmlischer Vater uns auch in dieser Krisensituation versorgen wird. Er wird uns auch weiterhin Brot und Wasser des Lebens schenken. Er wird unsere Seelen auch in dieser Zeit erquicken und uns „voll“ einschenken. Wenn wir an seiner Hand bleiben, werden wir keinen Mangel erleiden. Gott ist ein Gott der Möglichkeiten. Er legt auch in diese Tage und Wochen Samenkörner des Segens und der Hilfe hinein.“

 

Zu den Dramen von Covid-19 gehören Geschichten von Menschen, die in Isolation sterben, ohne die Zuwendung von Angehörigen oder Seelsorgern, die nicht dabei sein können, um eine Ansteckung zu vermeiden. Welche Gedanken kommen Dir, was fühlst Du?

Es wird wieder eine Situation erkennbar, der wir machtlos, mal abgesehen von der starken Waffe des Gebetes die wir alle besitzen, gegenüberstehen. Es macht traurig, wenn wir darüber lesen oder hören. Ich will es nicht entkräften, aber wir nehmen diese Fälle mehr wahr, weil wir von der Pandemie umgeben sind. Aber es gab und gibt auch viele Sterbende, wenn wir nicht direkt davon betroffen sind und es uns gut geht. Denken wir an die vielen, täglich durch Hungersnot Sterbenden oder an die sich auf der Flucht befindlichen Menschen, die viel verlassen haben, viel Ungutes erlebt haben, sehr, sehr lange Wege mit dem wenigen Gut hinter sich gebracht haben. Viele von ihnen, und das wissen wir auch, sterben auf dem Fluchtweg, wenn sie nicht schon sterben in den Zuständen, vor denen sie geflohen sind.

Ich fühle und denke, so empfinden Viele: Traurigkeit und Anteilnahme. Wir beten für sie!

 

Uns steht ein Osterfest "bei geschlossenen Türen" bevor - mit Feiern ausschließlich über Internet, TV und Telefon. Für viele Gläubige wird das ein doppeltes Leiden. Wie kann man Ostern in der Pandemie begehen?

Nun ja, es ist das Hochfest der Christen, der Herr ist auferstanden! Wir feiern es in diesem Jahr anders, aber eventuell auch bewusster als vorher.

Wir dürfen wissen, dass wir verbunden sein werden mit allen Geschwistern –weltweit. Das ist dann kein Leid! Das gibt uns doch Anlass zur Freude. 

 

Was gibst Du Menschen mit auf den Weg, die in der derzeitigen Situation Angst haben?

Ihr Lieben Geschwister, wer sich zu den Auflagen oder Maßnahmen bekennt und diese einhält, kann auf jeden Fall beruhigter sein. Jeder, der sich daran hält minimiert das Risiko infiziert zu werden und an Covid-19  zu erkranken.

Ich kann nur dazu aufrufen, haltet Euch an das was uns von den Behörden und Instituten geraten wird, nehmen wir das ernst, nur dann werden wir einen Betrag dazu leisten diese Zeit möglichst „schnell“ hinter uns zu bringen.

Denkt daran, wir sind nicht alleine und es beten wirklich viele für uns und für Euch, was mir zusammen mit dem Wissen um den Schutz Gottes meine Angst verringert.

 

Vielen Dank, lieber Bezirksältester Udo.